FÜR ALLE, DIE ES NOCH NICHT WISSEN. WER BIST DU UND WAS MACHST DU?

Ich bin Thomas und mache viele Sachen. Zur Zeit beschäftige ich mich hauptsächlich mit der Band MEUTE, die ich gegründet habe, in der ich Trompete spiele und Manager bin.

Ah, jetzt wirds leiser. Was macht MEUTE genau?

MEUTE ist eine Marching Band, die Techno spielt.

Super. Was ist denn eine Marching Band?

Ein Spielmannszug, der Techno spielt.

Jetzt haben wir ein Bild. Wie entstand die Idee?

Eigentlich im Technoclub. Ich bin großer Techno Fan und finde, dass die Magie dieser Musik in der Reduktion liegt. Die Leute tanzen dazu nächtelang. Nicht, weil auf der Bühne irgendetwas passiert, sondern weil die pure Kraft in der Musik liegt. Ich dachte mir: „Wie krass muss es erst sein, wenn noch ein visuelles Element hinzukommt?“ Menschen diese Stimmung projizieren, sodass man sie sehen kann. Gepaart mit der Komponente menschlicher Dynamik, die zusätzlich einen anderen Drive mit reinbringt. Abgesehen von dieser Vision war ich schon länger Trompeter, hatte bereits eine Vergangenheit in Blasorchestern, Marching Bands und eine Affinität zu dieser Art von Musik.

Wir sitzen in der „Viva con Agua Hangout Zone“ auf dem Spielbudenplatz. Um uns herum herrscht fröhlicher Ausnahmezustand, es ist Reeperbahn Festival. Bands spielen, Musikfans fluten den Kiez, es ist laut. Die Hamburger gemeinnützige Organisation Viva con Agua begleitet u. a. MEUTE und Künstler auf Tour und sammelt bei Konzerten Pfandflaschen für den Verein und guten Zweck, der immer dem Ziel „Wasser für alle“ dient. Local Support at its best.

Thomas Buhrhorn / Meue

Wir sind hier beim Reeperbahn Festival. Europas größtem Clubfestival und Sprungbrett für viele noch unbekannte Musiker. Auch für Euch damals?

Unser allererster Gig war tatsächlich während des Reeperbahn Festivals auf dem Schulterblatt in der Schanze. Hier haben wir auch schon mehrmals gespielt, einmal als Guerilla Gig das Ganze sogar gecrasht. (lacht) Auch wenn bei uns eher andere Punkte ausschlaggebend waren, ist es in jedem Fall ein super Sprungbrett. Ich bin großer Reeperbahn Festival Fan.

Ihr seid zu Elft. Elf Leute, Elf Meinungen. Wer hat da das letzte Wort?

Ich. (lacht) Ich füge hinzu, dass wir eine sehr konsensorientierte Kultur pflegen und ich nicht auf dem letzten Wort bestehe. „Never try to be the smartest person in the room“, heißt meine Devise. Am Ende muss jemand Entscheidungen treffen. Ich mache aber nichts, worauf sonst keiner Bock hat, klar.

Euer neues Album „Live in Paris“ kommt raus. Wann und wieso Paris und nicht Hamburg?

Am 04.10. ist Release. Paris war ein wirklich tolles Konzert, außerdem sehen wir uns als internationale Band, die über einer lokalpatriotischen Idee steht. Wir kommen zwar aus Hamburg und identifizieren uns auch damit, finden es aber schön zu sagen, Live in Paris und das nächste Mal vielleicht Live in Warschau. Tatsächlich haben wir in Frankreich auch eine sehr starke Fanbase. Die Location, in der Culturebox das Video zum Konzert aufgenommen hat, welches zeitgleich zum Album auf YouTube erscheint, ist zudem wahnsinnig schön.

MEUTE – You & Me (Flume Remix) – Live in Paris

Auch die Esskultur der Franzosen ist besonders. Wie erlebt Ihr die?

Den Franzosen eilt ja der Ruf voraus, dass ihr Essen besonders gut ist. Das ist genau das, was wir dort erleben. Besonders Catering ist in Deutschland eine eher effizient gelöste Geschichte. Meist geht es darum, dass möglichst viele Leute satt werden. In Frankreich hingegen bekommt der Gast ein tolles Essen mit einer Geschichte dazu. Aus welcher Region kommt der Käse, woher kommt der Schnaps. Immer mit einer Vor- Haupt- und Nachspeise. Einer Wurst- und Käseplatte guten Flasche Wein auf dem Tisch. Also, drei Flaschen Wein, Weiß, Rot und Rosé. Das Ganze mit einer Selbstverständlichkeit, ohne Chichi aber enormen Wertschätzung des Essens und Gastes. Das trägt natürlich zum Wohlbefinden bei. Auch wenn sich bereits etwas tut, ist das in Deutschland anders. Und in England … auch. (lacht)

Ihr geht wieder auf Tour. Wo gehts hin und was kommt danach?

Wir gehen auf US Tour, danach fahren wir wieder nach Hause. (lacht) Nee, im Ernst. Anschließend proben wir die neuen Stücke für die Europa Tour, die bereits Ende Februar 2020 startet. Es wird also schon bald brandneues Material geben.

Du machst die besten … ?

Spiegeleier.

Bier oder Whiskey?

Jever.

Fleisch oder Gemüse?

Egal, Hauptsache lecker.

Irgendwann ist auch mal gut. Wie und wo fährst Du Dich in Hamburg runter?

Das bleibt mein Geheimnis. (lacht)

Titelfoto: Steffi Rettinger