Moin BO. Für alle, die es noch nicht wissen. Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Das Bo und ich bin Künstler, im weitesten Sinne und im speziellen Texter und Hip Hop Künstler … und Pioneer und Legende (lacht).

Warum Hamburg und nicht … ?

Ich bin hier geboren und bin der erste in Hamburg geborene in meiner Familie, vielleicht ist das noch mal eine andere Gewichtung. Meine Eltern sind beide nicht in Hamburg geboren. Mein Vater ist aus dem ehemaligen Jugoslawien, genauer Bosnien-Herzegowina und meine Mutter kommt aus Nordrein-Westfahlen. Als ich zwölf war, sind wir aufs Dorf gezogen. Ich bin also hier geboren, in der Schanze zur Grundschule gegangen und dann aufs Dorf gezogen (worden). Darum ist meine Bindung zu Hamburg noch etwas intensiver, weil ich irgendwann mal dieser Bindung entzogen worden bin. Schön, zum Start der Pubertät auf einmal isoliert aufm Dorf. Trotzdem bin ich in Hamburg zur Schule gegangen und in der Zeit zu Hip Hop gekommen. Das war dann alles für mich, Musik hören und Texte schreiben. Daraus ist alles andere entstanden.

Woanders zu leben kommt Dir also gar nicht in den Sinn?

Das Leben ist ja das Leben, da kann immer alles passieren. Deswegen sollte man sich nicht verschließen und sich selber verbauen, weil man sagt: „Das mach ich niemals!“. Von daher alles kann sein, aber es ist unwahrscheinlich und … ach, ja. Hamburg ist die derbste (lacht)!

Eine Träne läuft ihm runter, wir müssen beide kurz innehalten. Aber es geht schon.

Aber ich bin ja als Künstler viel unterwegs, da habe ich jetzt nicht so ein Fernweh und das Gefühl, ich würde nicht rauskommen. Wie so ’ne Viertelassel, die immer nur hier rumhängt. Wenn ich hier bin, dann auch gerne im Umfeld, aber ich komme eben auch viel raus.

BO
BO

Wir essen heute in der KunztKüche zum 25. Jubiläum von Hinz&Kunzt und COOK UP culinary gallery, letzte Woche stand Tim Mälzer am Herd und BO hat Team und Projekt im Service unterstützt. Heute kocht Lutz selbst, es ist der letzte Abend, das Team feiert 25 ausgebuchte Tage.

Du unterstützt auch andere soziale Projekte in Hamburg, wie Die Bolzerei. Ist es Dir wichtig, Deiner Stadt etwas zurückzugeben?

Ich sehe das nicht immer so dramatisch und plakativ. Für mich hat Leben immer mit miteinander leben zu tun. Da gibt es Leute, denen es schlechter geht und Leute, denen es besser geht. Ich finde, die Leute denen es besser geht, haben zwar nicht die Verpflichtung, aber im sozialen Gefüge gehört es dazu, dass man supported, wenn man die Möglichkeit hat. Es ist für mich eher eine ganz normale, menschliche Komponente, die es nicht gilt plakativ aufzuhängen. Im eigenen Leben gab es immer Situationen, in denen man Hilfe bekommen hat. Es ist ein Karmisches geben und nehmen. Ich bin keiner, der mit so Kalendersprüchen kommt. Es ist einfach meine Art. So habe ich immer gelebt und das hat mir gut getan. Ich habe so ne Art Hierarchie Allergie, ich sehe das immer eher auf Augenhöhe. Wenn ich irgendetwas mache, was mir Freiraum schafft und mit Öffentlichkeit zu tun hat, dann kann ich auf diesem Wege auch etwas zurückgeben.

Schön, dass es viele in Hamburg gibt, die auch so denken und Projekte wie dieses auf die Beine stellen.

Genau. Wie hier vorhin schön gesagt wurde, Essen ist ja auch eine essenzielle Sache. Das Feuer der Neandertaler. Essenstisch. Da kommen alle zusammen.
BO

25 Tage, 25 Köche, 25 Jahre Hinz&Kunzt! Zum 25. Geburtstag von Hamburgs Straßenmagazin feiern wir 25 Abende lang eine Küchenparty. Unsere ganz besondere KunztKüchen-Party mit dem clubkinder e.V. und der COOK UP culinary gallery.

Du bist einer von Fünf Sterne deluxe, die Festivalsaison steht an. Wo trifft man Euch?

Auf dem Highfield, Deichbrand, Lollapalozza … ich hab die leider nicht alle im Kopf. Das kann man aber alles in den gängigen Festivalportalen und im Internet nachlesen (grinst). Wir haben insgesamt zehn Dates und zwischendurch auch zwei, drei Soundsystem Situationen. Wir haben nämlich gerade das Fünf Sterne Soundsystem mit DJ Coolman, DJ Plazebo, Luis Baltes und mir gegründet. Zusammen sind wir am 19.05. in der Hamburger Botschaft. Kommt früh, es wird voll und heiß und nice. Außerdem kommt Ende des Jahres der zweite Teil der Flash Tour und vielleicht veröffentliche ich noch was Solo mit Liveband, mal schauen, wie es zeitlich passt. Mit der Band habe ich vor dem Fünf Sterne Album meine letzte Solo EP „Auf jeden Fall vielleicht“ produziert und eingespielt.
Das BOFoto: Andreas Hornoff

Es gab da diesen Sweater, limited edition. Du hast ihn zufällig an. Kommt da noch mal nen neuer Schwung?

Ach so, ich wollte ihn Dir jetzt nicht unter die Nase reiben (lacht), dachte nur, der passt heute. Ich hab da noch mal was angeleihert. Ich würde ihn gerne noch mal als Sweater haben, so ohne alles. Zur Festivalsaison wird auf jeden Fall was am Start sein, die neue „Moin Bumm Tschack“ Kollektion und natürlich classics.

Gab es nicht auch einen nur mit kleinen Sternchen, dezent und undercover. Für Insider, die sofort Bescheid wußten: „Aah, alles klar.“ Wie damals mit den weiten Hosen.

Genau (lacht). Das ist ja auch der große Unterschied, das heutzutage alles normal und schnell zugänglich ist. Früher war alles eher besonders, nischig, Subkultur. Man konnte an bestimmten Details genau erkennen: „Das könnte einer von uns sein.“

Ihr seid Hip Hop Legende, „Alte Schule“. Wie erlebst Du die eher junge TRAP Szene?

Ich bin da komplett entspannt. Ich bin ja eher aus dem Subkultur Kontext und immer froh, wenn Hip Hop da ist, Einfluss hat, Leuten was bedeutet und die Realität reflektiert. Ein Medium ist, wo sich Leute ausdrücken können. Das es verschiedene gibt, ist normal. Ich finde auch, dass man viel zu sehr Fokus auf Subgengre des Lebens legt und so eine spezielle Situation, beispielsweise im Hip Hop für mich immer nur ein Indikator für eine Bewegung in der Gesellschaft ist. Es sind viel größere Dinge im Argen, als dass man sich mit solch Kleinigkeiten die Zeit vertreiben sollte. Das ist keine Kritik an der Frage. Ich stelle nur oft fest, dass heutzutage sehr viel Schwung und Energie verschwendet wird, in so ganz kleinen Nano Ecken des sozialen Lebens, das vieles gar nicht besprochen wird, weil sich alle über Kleinkram, Oberflächlichkeiten die Köpfe zerbrechen.

Okay. „Ich habe keine weiteren Fragen.“ Wir flachsen rum, dass Interview an dieser Stelle zu beenden. Da kommt der nächste Gang, also bleiben wir schön, wo wir sind. Das Kalb mit Bärlauch Risotto schmeckt würzig und uns so gut, dass wir ohnehin kurz schweigen, mit vollem Mund spricht man nicht. Bo will Brot und kommt mit mehr Kalb zurück. „Brot gabs nicht.“ Wir freuen uns heimlich, teilen die Portion und vergessen vor Glück den Teller zu fotografieren. Verdammt gutes Zeichen.

Jetzt wirds oberflächlich. Du hast Dich hier für Deinen Job als Kellner chic gemacht. Richtig chic gemacht hast Du Dich kürzlich schon mal, Du warst mit der Altona Gang in Cannes. Wie kam das?

Die Altona Gang war der Dunstkreis von Fatih Akin, der in Cannes seinen großartigen Film „Aus dem Nichts“ vorgestellt und für die Aftershowparty Dj Plazebo und mich als DJ Team gebucht hat. Wir waren drei Tage vor Ort und mit ihm unterwegs. ich kenne Fatih auch schon seit Ewigkeiten, Fünf Sterne Deluxe hat tatsächlich in seinem ersten Film „Kurz & Schmerzlos“ mitgespielt, im ehemaligen Kir an der Max-Brauer-Allee, was nicht mehr gibt. Und das erste Musikvideo von Fünf Sterne Deluxe haben wir in Cannes gedreht, von daher war das witzig. Ein doppelter Kreis, der sich geschlossen hat. Es war ein rauschendes Fest, wir haben tolle Tage verbracht und auch noch mal auf eine andere Art mitgekriegt, was Fatih eigentlich für einen Weltstatus hat, wie die Leute ihn schätzen und lieben, so nimmt man ihn hier gar nicht wahr. Triffst Du ihn hier, ist er ja immer der geerdete „Altonake“ (in diesem Fall politisch vollkommen korrekt), der „Diesdas, was geht ab“ schnackt.

Foto: Andreas Hornoff

Wahrnehmen tut man das, wenn die Oscars und Golden Globes laufen, die Nominierungen eintrudeln und man merkt, dass man stolz ist, als hätte man irgendwas damit zu tun.

Ja, genau (lacht). Aber klar, man hat ja die Verbindung zu Hamburg und zu Altona. Und Fatih ist ja auch so ein geerdeter Typ. Das ist schon beeindruckend, wenn der Kollege ausm Viertel, der Filme gemacht hat sich so einen Weltstatus erarbeitet hat und das so anerkannt und gewürdigt wird. Das ist dann geil. Auch ne schöne Geschichte, ich war in Cannes auch Host, die Veranstaltung ist natürlich international und anfangs habe ich immer Deutsch gesprochen und anschließend in englische übersetzt. Auf Englisch hosten ist überhaupt nicht mein Ding, und irgendwann gucke ich rüber und sehe Fatih und seine Leute so derbe abgehen, da dachte ich mir „Okay, komm. Das ist unsere Nacht, heute Hamburg Schnack pur und gib ihn“. Ich habe das ganze Ding dann einfach auf Hamburgisch gehostet und ab da war alles entspannt (lacht). Übersetzt haben wir dann gar nicht mehr, die anderen haben dann schon gemerkt, wenn der Mob da durchdreht, dann passt das schon (lacht).

Adam war auch mit. Er war tatsächlich unser erster Klönschnack.

Ach, echt? Genau, Adam war auch in unserer Gang, er war so „rein und raus“, weil er am nächsten Morgen zu einer Hochzeit fliegen und auflegen musste. Er war also unser Wingman. Ach so, und zur Outfitfrage zurück, wir trugen Smokings. Pedram, ein Freund von mir macht Paisleys und hat uns die maßgeschneidert – das sah schon top aus.

Essen, großes Thema, nicht nur heute. Wo gehst Du generell gerne essen und warum ausgerechnet da?

Ich bin da nicht festgefahren, esse abwechslungsreich. Wenn man grad was Neues entdeckt hat, geht man dort öfter hin, weil es grad bockt. Mit Trends habe ich es nicht so. Bei Burgern muss ich das Ding in die Hand nehmen und reinbeissen können, diese hohen Litfaßsäulenburger habe ich nie verstanden. ‚Ne schöne Pasta Pesto ist auch geil. Aber wenn ich aufzählen müsste, dann z.B. Umai, Kimo, Carmagnole, Vienna, Bullerei … Köz Urfa in Altona, auch immer mal gerne (gewusst wie, die riecht man schon aus 3 Kilometer Entfernung). Aktuell kann ich das Wohlers am Wohlers park empfehlen. Aber auch veganes bei Happenpappen und meine Dorade esse ich bei Schabi.

Du machst die besten … ?

Naja. ‚Ne Reispfanne zusammenkloppen geht schon aber ansonsten, nee. Damit bekommt man auch nur Probleme! Wenn das einer liest, heißt es gleich: „Ach nee, dann zeig mal!“ Nicht Ice Bucket Challenge, sondern Spaghetti Bolognese Challenge.

Bier oder Whiskey?

Jaa, beides. Entweder und.

Fleisch oder Gemüse?

Beides. Aber wenn Fleisch, dann gut. Gerne auch Fisch. Es gibt so viele schöne Sachen, es gibt kein entweder oder. Auch der verbreitete Fleischkonsum und Burger für 1 Euro bei Fastfood Ketten – alles sehr fragwürdig. Da gibt es ja auch diesen schönen Spruch „Heute mal was ohne Fleisch, ich nehme mal nen Big Mac Menu.“

Irgendwann ist auch ma´ gut. Wie und wo fährst Du Dich in Hamburg runter?

Ich versuche das tagsüber einzubauen. Ich hab nen Job, der mir viel Energie gibt und kann mir die Zeiten selbst einteilen. Klar, gibts Höchstzeiten, wo es ganz schön doll wird. Soloproduktion, Soundsystemgigs, Songwriting für andere und Fünf Sterne deluxe Album und Tour. Da muss man aufpassen, dass man nicht verglüht. Meditieren, Atmen, ins Solebad – sowas nä. Ich bin nicht so der Urlaub Typ, zur Ayuveda Kur nach Indien fahre ich nicht. Ein bisschen bewusster ernähren, bisschen mehr Bewegung und … Schlaf. Eigentlich all das, was man im täglichen Leben machen kann, sollte und einen davor bewahrt, sehr sehr fett und übellaunig zu werden. Und jetzt lass mal eine rauchen gehen.
BO

Wir gehen also rauchen. Quatschen dabei weiter über Musik, verrückte Autoren und schlaue Engländer, die schon ab 21 Uhr feiern, damit die Queen Nachts ihre Ruhe hat. Sitzen mit Team und Nachbarn am Tisch und genießen den lauen Frühlingsabend. Umso später der Abend, umso voller wird es. Alle sind zum anstoßen gekommen, Reden werden gehalten, viele Helfer haben nun Jobs in Aussicht. 25 Tage, 25 Köche, 25x Nächstenliebe. Danke clubkinder, Hinz&Kunzt, Lutz & Team – und Hamburg. ♥︎
Das BOFoto + Titelbild: Andreas Hornoff

19.05. Fünf Sterne Deluxe Soundsystem Beta Lounge / Hamburger Botschaft
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